Es gab ihn, den humanen Islam

 

Interview mit Özdemir

 

Die fundamentalistischen Fakten dieses Islam wurden verdrängt oder heruntergespielt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Stattdessen wurde propagiert:

„Der Islam gehört zu Deutschland!“

 

Und es wurde eben nicht zwischen einem reformierten und einem radikalen Islam unterschieden, so, wie es heute, ein Jahr später, der grüne Politiker Cem Özdemir in einem Interview verdeutlicht:

 

Auf die Frage des Journalisten, „ob es keinen deutschen Islam gäbe“, reagierte Cem mit folgender Aussage:

 

„Doch. Muslime fühlen sich hier längst zu Hause, genießen unsere Demokratie, sind zunehmend unsere Staatsbürger. Doch Ankara will die türkisch-sunnitischen Muslime immer  fernsteuern – über die Außenstelle des türkischen Staates in Deutschland und ihre Imame. Auch mit ihren Telefon-Fatwas definiert die Behörde den Islam in Deutschland.“

 

„Telefon-Fatwas?“

 

Dort holen sich auch deutsche Muslime Rat in religiösen Fragen. Da wird ihnen erzählt, dass Flirten unislamisch sein soll, dass man sich auf der Straße nicht küssen darf. Diese Verlautbarungen werden zum Teil veröffentlicht.“

 

Wer bedroht diesen Islam Ihrer Kindheit?“

 

„Ein politischer Islam, der reaktionär ist, der auch vor Terror nicht zurückschreckt. Konkret Saudi-Arabien, auch die Erdogan-Türkei, zwei Länder, mit denen wir aufs Engste zusammenarbeiten. Die Wurzel des Problems ist der saudische Wahabismus.

Es geht darum, dass der Islam meiner Mutter, ein lebensnaher Islam, bedroht wird.

Ich bin aufgewachsen mit dem Islam der türkischen Gastarbeiter. Dort trank man gelegentlich Alkohol, ging in die Moschee oder auch nicht, die Frauen waren überwiegend nicht verschleiert, ihre Kinder haben zum Teil Christen geheiratet.

Es war ein Islam, in dem man lachen durfte,  über die eigene Religion. Heute muss man  gelegentlich um sein Leben fürchten.“

 

„Aber für einen strenggläubigen Muslim steht der Koran im Zweifel über unseren Gesetzen.“

 

„Kein heiliges Buch steht über den Menschenrechten und unserer Verfassung. (…) Das Grundgesetz ist unsere Leitkultur.“[1]

 

 

[1] Aus dem Stern-Interview mit Cem Özdemir: „Der Islam meiner Mutter ist bedroht“; 21.1.2016, Stern Nr. 4

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
P.Weidlich