28. Juni 2017

Die erste Rezension eines ehemaligen Klassenkameraden:

 

(...) "es wird höchste Eisenbahn, Dir für Dein neuestes literarisches Werk zu danken. Ich hab's sofort nach Eingang gelesen und möchte Dir herzlich gratulieren - zu Deiner persönlichen und beruflichen Lebensleistung sowie zu der intellektuellen Stärke und schriftstellerischen Qualität, mit der Du sie hier zu Papier gebracht hast.

Dass mehr in Dir steckte als körperliche Kraft, dürften die meisten von uns schon als Deine Mitschüler begriffen haben.

Hier werden die Triebkräfte deutlich, aus denen Du geschöpft hast.

Ich hoffe sehr, daß wir einmal Gelegenheit zu intensiverem Austausch finden werden.

Du kannst jedenfalls gelassen und zufrieden sein.

 

Dr. Rolf Jördens, Teschendorf

„Ich habe begonnen, es zu lesen und es bedarf ein wenig inhaltlichen Studiums, manche Sachverhalte muss man sich wiederholt zu Gemüte führen, um zu begreifen, mit welcher Intensität und mit welchem historischen Hintergrund die Entwicklungen, die dort dargestellt werden, angegangen  worden sind.“

 

16.08.17, Norbert Raulin, Bürgermeister a.D. von Strasburg, Uckermark

20.10.2018 

 

Rezension:  Peter Weidlich, Getrieben – Adoptiv-Knilch packt aus, Leipzig 2017.

 

Wenngleich dieses Buch keiner herkömmlichen Textsorte der Unterhaltungs- oder Sachliteratur zuzuordnen ist, gelingt dem Autor Peter Weidlich etwas Ungewöhnliches: Es bleibt spannend, auch dann, wenn er komplexe sozialpädagogische Zusammenhänge darstellt.

 

Peter Weidlich, selbst Adoptivkind, widmete sich in seinem über dreißigjährigen Berufsleben als Heimleiter Kindern, die ein ähnliches Schicksal teilen wie er. Dabei bleibt er abgrundtief ehrlich:

„Wenn ich an manche Aktivitäten denke, die ich als Heimleiter mit den mir anvertrauten Jugendlichen initiiert habe, frage ich mich, wo mein Verstand geblieben ist, als erlebtes Aben-teuer mir wichtiger schien als vom Verstand gelenkter Verzicht.“ (S. 20)

 

Die vor dem Abitur abgebrochene gymnasiale Schullaufbahn, die Auseinandersetzungen mit den Amtsvertretern der Kirche, die Konflikte mit Ämtern und Behörden, die Umwege in seinen verschiedenen beruflichen Laufbahnen – all das sind entscheidende Ereignisse, die ihn zu einem Heimleiter für vernachlässigte Kinder und Jugendliche haben werden lassen, für den das fürsorgliche Sicheinlassen auf das bedürftige Individuum im Mittelpunkt steht, nicht institu-tionell verordnete „Versorgung“. Bereits als junger Praktikant stellt er fest:

 

„Ich merkte allerdings sofort, dass der intuitive Umgang mit Kindern und Jugendlichen nur mit einer positiven Grundhaltung funktionieren kann, die man dank Prägung erworben hat oder nicht. Nicht jeder eignet sich für diesen Beruf.“ (S. 141)

Nahezu quälend beschäftigt Peter Weidlich ein Gedanke, als er selbst Vater wird:

„Du darfst dein Kind nicht mehr lieben als die Kinder, die dir bereits anvertraut sind. Irgend-etwas ließ tiefe Liebesbezeugungen nicht zu. Der Gedanke des Verrats betäubte meine Sinne, verdrängte Fragen und Antworten.“

Dieser zutiefst konfliktuöse Zwiespalt bleibt nicht ohne Folgen: Zwei Ehen mit vier eigenen Kindern werden geschieden.

 

Getrieben – dieses Grundmotiv im Berufsleben bleibt unermüdlich rotierender Motor: Nahezu atemlos steigt der Diplom-Sozialarbeiter  in unterschiedliche Tätigkeitsbereiche ein: Mitbe-gründer von Fahrschulen für Menschen mit Lernbehinderungen, Initiierung eines Rettungs-dienstes für Unfallopfer, Kita-Leiter, Heimleiter in verschiedenen Einrichtungen, Drehbuchautor und Produzent preisgekrönter Filme, Erlebnis-pädagoge im Bereich der Jagd, Orchesterchef für seine Heimkinder mit überregionalen und internationalen Auftritten usw.

 

Das alles bleibt nicht frei von einschneidenden Schicksalsschlägen: Er wird von Neidern ange-zeigt und im Anschluss oberflächlich erschei-nender Ermittlungen und eines kaum nachvoll-ziehbaren Prozesses zu einer Gefängnisstrafe im Offenen Vollzug verurteilt. Ein ungewöhnlicher Gefangener: Der Gefängnisdirektor besucht ihn in seiner Zelle, gratuliert ihm zu seinem ersten Buch „Stärker als Rache“ und dankt ihm für die Gestaltung eines Adventsabends für alle Mitge-fangenen.

 

Die absolute Ehrlichkeit („Adoptiv-Knilch packt aus“), mit der Peter Weidlich sein Leben be-schreibt, legt die Vermutung nahe, dass es ihm auch um seinen Versuch der Eigentherapie eines  Adoptivkindes mit unaufgearbeiteten Traumata handelt. 

Kann er das?

Ein therapeutischer Grundsatz lautet: Man kann sich nicht ins eigene Zahnfleisch beißen.

Peter Weidlich kann´s:  Er überzeugt davon, dass ein zufriedenstellendes Leben auch dann geführt werden kann, wenn die Startbedingungen be-scheiden und die Einschläge in die Biografie hef-tig sind.

Ein Buch für einen breiten Leserkreis:

Adoptivkinder und Adoptiveltern, angehende und praktizierende Sozialpädagogen, Vertreter der zuständigen Verwaltungseinrichtungen usw.:

Dieses Werk besitzt das Potenzial, ein span-nender und informativer Klassiker für ein breites Publikum zu werden.

Rezensent: Dieter Chilla, Rektor i.R.

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P.Weidlich