Geheimnisse

„Falls ich durch nicht nachvollziehbare Umstände zu Tode kommen sollte, hier meine ehrliche Erklärung, die ich vor meinem Herrgott zu beeiden bereit bin:

Ich habe meinen Mann Johann von Trendel von ganzem Herzen geliebt. Er hatte an einem Spätsommertag morgens, den 16. September 1999, freudestrahlend einen Korb voll Waldchampignons mit-gebracht. Er hatte sie in Butter gebraten und mit Schnittlauch garniert; ich selbst ver-abscheue Pilze.

Nach dem Verzehr gegen Mittag ging es ihm gut, das Pilzgericht hatte ihm geschmeckt. Nach etwa 18 Stunden wurde ihm am frühen Morgen zunächst übel, dann bekam er furchtbare Bauchkrämpfe, er stöhnte laut vor Schmerzen. Ich telefonierte nach dem Hausarzt. Er war nicht zu er-reichen. Ich versuchte, den Notdienst zu erreichen. Nichts. Ich versuchte, ihn ins Auto zu schleppen. Er brach zusammen und wurde ohnmächtig. Ich telefonierte mit der Feuerwehr. Sie kam eine viertel Stunde später. Sie brachten ihn ins Karlshafener Krankenhaus. Am zweiten und dritten Tag im Krankenhaus ließen die Beschwerden, wie Durchfall, Leibschmerzen und Wadenkrämpfe sichtlich nach und die Ärzte glaubten, das Schlimmste verhindert zu haben. Tatsächlich begann in dieser Phase die Zersetzung der Leber. Das Herz machte nicht mehr mit und mein Mann verstarb.

Irgendwelche Nachbarn hatten vermutet, dass ich meinen Mann vergiftet hätte, da ich ja nichts von dem Pilzgericht gegessen hatte. Diese Ver-mutung wurde auch in der Presse geäußert. Eine polizeiliche und staats-anwaltschaftliche Untersuchung hat keine Beweise gegen mich ergeben. Da ich die Gerüchteküche nicht mehr ertragen konnte, bin ich hier ins Junkernholz gezogen..

Hier lernte ich Theo Grossek kennen und lieben. Er half mir, wo er nur konnte, zeigte sich von seiner galanten, liebenswürdigen Seite. Die Ein-samkeit und sexuelle Lust trieb mich in seine Arme, allerdings auch sein Interesse an meiner Heilkunst. Ich fühlte mich anerkannt und respektiert. Bis zu dem Tag, als er nach einer der herrlichen Liebesnächte mir im totalen Rausch  gestand, aus purer Eifersucht  meine Schwie-gertochter Cosima direkt nach der Geburt vergiftet zu haben.

Ich konnte und wollte ihm nicht glauben.

Er behauptete lallend weiter, dass er lange vor der Hochzeit meines Sohnes Rudolph mit Cosima ein  grandioses Liebesleben mit ihr gehabt hätte , damals als Theo von Kowalski, alter russischer Adel. Und mein Enkel Alerxander sei sein Sohn, nicht der meines Sohnes. Ich war total geschockt und brach sofort das erotische Verhältnis zu ihm ab.

Theo Grossek, alias von Kuwalski, setzte mich von diesem Tage an unter Druck: Falls ich irgendetwas der Polizei  oder meiner Familie verraten würde, würde er mich töten. Ich musste ihm Tinkturen herstellen, KO-Tropfen -ähnlich. Ich vermute, dass er mit diesen Tropfen junge Mädchen gefügig machen will.

Ich habe oft darüber nachgedacht, zur Polizei zu gehen. Wie aber kann ich meine Vermutungen beweisen?

Ich habe mich jetzt entschlossen, an diesem Wochenende mit Rudolph und Alex zu sprechen und einen Plan zu schmieden, der Grossek stoppt..

Ich habe Angst vor diesem Gespräch und vor der Rache Grosseks.

Herrgott, hilf' mir!

 

Knesebeck, Junkernholz, d. 13. Juli 2012 “

 

 

 

 

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P.Weidlich